Effektiver Altruismus: Was haben Klimaschutz und Entwurmung gemeinsam?

Effektiver Altruismus: Was haben Klimaschutz und Entwurmung gemeinsam? 819 318 Steffen

Der Effektive Altruismus ist eine Philosophie und eine globale Bewegung mit dem Ziel, die eigenen Ressourcen möglichst effektiv einzusetzen, um Gutes zu tun. Was das bedeutet und was das mit enyway zu tun hat, erklären wir euch in diesem Artikel.

Jeder Mensch, der Gutes tun will und dabei seine Ressourcen, wie sein Geld (z.B. Spenden) oder seine Zeit (z.B. ehrenamtliches Engagement oder Arbeitszeit), einsetzen möchte, kennt vermutlich dieses Problem: Wo fange ich an? Welche der vielen Optionen ist die beste? Der Effektive Altruismus versucht, hier etwas Licht ins Dunkel zu bringen und zumindest Hilfsmittel und wichtige Fragestellungen zur Verfügung zu stellen, um diese Fragen für sich zu beantworten.

Dabei geht man möglichst wissenschaftlich vor und untersucht die verschiedenen Interventionen rational (eine Intervention ist eine Maßnahme, die Gutes bewirken soll und die man unterstützen kann). Folgende Fragen stellt der Effektive Altruismus, um eine potentielle Intervention zu bewerten:

  • Wie viele Menschen (bzw. empfindungsfähige Lebewesen) profitieren von meiner Intervention und wie stark?
  • Ist dies die effektivste Intervention, um das gesetzte Ziel zu erreichen?
  • Ist das Thema, das die Intervention angeht, vernachlässigt?
  • Was würde passieren, wenn es die Intervention nicht gäbe?
  • Wie groß sind die Erfolgschancen der Intervention und wie groß wäre der Erfolg?

Prüfung welche Interventionen den größten Nutzen haben

Es geht dabei in erster Linie darum, eine möglichst objektive Vergleichbarkeit der verschiedenen Interventionen herzustellen und zu überprüfen, wie effektiv diese tatsächlich darin sind, die ihr zur Verfügung gestellten Ressourcen (Zeit und Geld) in positive Resultate umzusetzen. Diese Resultate sollen nachweisbar sein und einen echten Unterschied bewirken.

Das Ziel ist es also, in der großen Menge an verfügbaren Interventionen, diejenigen zu finden, die pro eingesetzter Ressource den größten Nutzen entfalten. Das ist so wichtig, weil unsere Ressourcen nun mal begrenzt sind und die Bandbreite, wie viel Nutzen eine Intervention tatsächlich erzielt, extrem groß ist.

Als Beispiel werfen wir einen Blick auf Interventionen, die versuchen, die Schulbesuche von Kindern in Afrika zu erhöhen. Hier zeigt sich, dass die recht simple Intervention „Eltern über die Vorteile der Bildung informieren“ mehr als zwanzig Mal so effektiv ist wie das Einstellen zusätzlicher Lehrkräfte und 2.000 Mal so effektiv wie finanzielle Belohnung für Schulbesuche! Und natürlich möchte man diejenigen Interventionen unterstützen, die am oberen Ende solcher Vergleiche liegen – alles andere wäre Verschwendung unserer Ressourcen.

Was haben denn nun Klimaschutz und Entwurmung gemeinsam?

Der Effektive Altruismus beschäftigt sich mit Problemstellungen unterschiedlichster Art und Flughöhe. Ein großes Thema ist die Priorisierung von globalen Problemfeldern, ein anderes Thema wiederum die Priorisierung konkreter Interventionen, die sich auf diese globalen Problemfelder konzentrieren.  Unter den hoch priorisierten Feldern finden sich zum Beispiel die Verbesserung der Gesundheitssituation in armen Ländern und auch die Bekämpfung extremer Armut. Hier erweisen sich Organisationen, die Entwurmungen in armen Ländern durchführen, als extrem effektive Interventionen, um die Gesundheitssituation zu verbessern und dadurch auch Effekte in der Bekämpfung von Armut zu erzielen.

Weitere hoch priorisierte globale Problemfelder sind zum Beispiel die Vermeidung von nuklearen oder biologischen Katastrophen – also die Vermeidung von Szenarien, die potentielle Auslöschungsrisiken für die Menschheit darstellen. In diese Kategorie fällt auch der extreme Klimawandel mit einer Erhöhung der globalen Durchschnittstemperaturen um mehr als 4 Grad Celsius.

Sowohl Klimaschutz als auch Entwurmung in armen Ländern können also im Sinne des Effektiven Altruismus grundsätzlich als wichtige und effektive Interventionen angesehen werden, wenn auch auf sehr unterschiedlichen Ebenen. Der Nutzen, den eine Spende an eine effektive Organisation für Entwurmungen erzielt, lässt sich sehr genau messen – ist aber auch begrenzt. Der Nutzen den ein bestimmtes Engagement für den Klimaschutz (zum Beispiel die verschiedenen Projekte von enyway) erzielt, ist schwerer zu messen, kann aber sehr groß sein.

So oder so: beides ist sinnvoll! Bei enyway investieren wir täglich unsere Arbeitszeit in Projekte für mehr Klimaschutz und vielleicht bleibt am Ende des Monats ja ein bisschen Geld übrig, um es in sehr effektive Projekte in anderen Problemfeldern zu investieren und damit ganz konkret das Leben von anderen Menschen zu verbessern und Gutes zu tun.

Wo kann ich mehr erfahren und wie kann ich mitmachen?

Dieser Artikel ist nur eine ganz grobe Einführung in den Effektiven Altruismus. Das Ganze ist natürlich vielschichtiger und komplexer. Es lohnt sich aber, sich damit näher auseinanderzusetzen! Wer das tun möchte, dem können wir zunächst die Webseite der Stiftung für Effektiven Altruismus empfehlen. Ganz konkrete Tipps um eine effektive Organisation zu finden, an die man guten Gewissens spenden kann (Ressource Geld), gibt es zum Beispiel bei GiveWell und sehr interessante Informationen rund um das Thema Karrierewahl (Ressource Zeit) gibt es bei 80.000 Hours. Und zu guter Letzt: Wer konkret für den Effektiven Altruismus aktiv werden möchte, kann das natürlich auch machen! In vielen deutschen (und internationalen) Städten gibt es bereits Lokalgruppen, die sich für den Effektiven Altruismus engagieren – hier gibt es eine Übersicht.

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